{"id":315,"date":"2020-06-21T09:30:00","date_gmt":"2020-06-21T07:30:00","guid":{"rendered":"http:\/\/kirche-eldingen.de\/?p=315"},"modified":"2021-02-07T17:39:33","modified_gmt":"2021-02-07T16:39:33","slug":"predigt-von-pastor-norbert-schwarz-2-sonntag-nach-trinitatis-21-juni-2020","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/kirche-eldingen.de\/?p=315","title":{"rendered":"Predigt von Pastor Norbert Schwarz 2. Sonntag nach Trinitatis, 21. Juni 2020"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Predigttext: Lk 14,15-24 Das gro\u00dfe Abendmahl<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>15 Da aber einer das h\u00f6rte, der mit zu Tisch sa\u00df, sprach er zu Jesus: Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes! 16 Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein gro\u00dfes Abendmahl und lud viele dazu ein. 17 Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist schon bereit! 18 Da fingen sie alle an, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 19 Und ein andrer sprach: Ich habe f\u00fcnf Joch Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 20 Wieder ein andrer sprach: Ich habe eine Frau geheiratet; darum kann ich nicht kommen. 21 Und der Knecht kam zur\u00fcck und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Stra\u00dfen und Gassen der Stadt und f\u00fchre die Armen und Verkr\u00fcppelten und Blinden und Lahmen herein. 22 Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. 23 Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstra\u00dfen und an die Z\u00e4une und n\u00f6tige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. 24 Denn ich sage euch: Keiner der M\u00e4nner, die eingeladen waren, wird mein Abendmahl schmecken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWer kommt in den Himmel?\u201c \u2013 Lange war das f\u00fcr Menschen die wichtigste Frage im Leben. \u201eIch bin ein Gast auf Erden und hab hier keinen Stand; der Himmel soll mir werden, das ist mein Vaterland,\u201c dichtete Paul Gerhardt. Besonders in Krisenzeiten stand die Sehnsucht nach dem Himmel an erster Stelle. Als im Mittelalter die Pest grassierte, richtete sich der bange Blick nach oben. \u201eFalls ich morgen sterbe: Was muss ich tun, damit ich in den Himmel komme?\u201c fragte man. Die Kirche erlebte einen nie dagewesenen Zustrom. Gottesdienste und Bittprozessionen schossen wie Pilze aus dem Boden. Um ihr Seelenheil zu sichern, str\u00f6mten die Menschen nur so in die Kirchen. Geistlichen war es unm\u00f6glich, die \u00fcbergro\u00dfe Nachfrage zu bedienen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer kommt in den Himmel? \u2013 Auch dem Evangelisten Lukas brennt diese Frage unter den N\u00e4geln. Sein energischer Sinn f\u00fcr Gerechtigkeit l\u00e4sst ihnen seinen Blick nach oben richten. Wenn es schon hier auf Erden keine Gerechtigkeit gibt, m\u00fcssen doch wenigstens im Jenseits die Benachteiligten zum Zuge kommen. Lukas erz\u00e4hlt die Geschichte vom armen Lazarus: Nach einem Leben im Elend darf er sich im Himmel in Abrahams Scho\u00df wiegen. Der reiche Mann dagegen, der seine Not \u00fcbersehen hat, landet in der H\u00f6lle. Dank des Himmels siegt am Ende die Gerechtigkeit und sorgt f\u00fcr den Ausgleich!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer kommt in den Himmel? \u2013 Unter den Dingen, die Menschen heute unter den N\u00e4geln brennen, rangiert diese Frage ziemlich weit hinten. In der Liste von Grundbed\u00fcrfnissen kommt der Himmel nicht mehr vor. Das offenbart die derzeitige Krise: Viele Fragen bereiten Menschen schlaflose N\u00e4chte. \u201eWerde ich meine Arbeit verlieren?\u201c \u201eWird das Geld bis zum Monatsende reichen?\u201c \u201eWann kann ich meine Mutter im Heim endlich wieder besuchen?\u201c \u2013 Die Frage nach dem jenseitigen Seelenheil geh\u00f6rt nicht dazu. So gesehen ist das Gleichnis vom gro\u00dfen Abendmahl ein Spiegel f\u00fcr die Rolle der Religion in der Gesellschaft heute. Diejenigen, die ins Reich Gottes geladen sind, winken ab. Sie entschuldigen sich, weil sie von dringlicheren Problemen beansprucht sind. Die materielle Grundversorgung gilt es zu gew\u00e4hrleisten. Der Acker muss bestellt, das Vieh muss versorgt werden. Die Familie fordert ihre Aufmerksamkeit, \u201edarum kann ich nicht kommen.\u201c Nicht erst seit Corona nimmt uns das Leben im hier und jetzt vollends in Anspruch. \u201eDen Himmel \u00fcberlassen wir den Engeln und den Spatzen,\u201c spottete schon Heinrich Heine.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlechte Aussichten also f\u00fcr diejenigen, die f\u00fcr die Sache Gottes unterwegs sind, die den Blick ihrer Mitmenschen zum Himmel lenken wollen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man k\u00f6nnte dem Gleichnis eine seelsorgerliche Seite abgewinnen. Ein Trost f\u00fcr alle, die sich in der Kirche engagieren und bei denen, die sie erreichen wollen, oft auf wenig Resonanz sto\u00dfen. Nicht erst seit heute ist das so: Gott l\u00e4dt ein, aber seine Einladung wird nicht angenommen. Diese Erfahrung haben schon die allerersten Christen gemacht. Jesus selbst hat das erfahren. N\u00fcchtern betrachtet, sollte man denen, die sich entschuldigen, keine Bosheit unterstellen. Sie haben plausible Gr\u00fcnde. Und, wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben: Auch bei mir selbst rangieren oft andere Fragen weiter vorn. Ich selbst bin oft so besch\u00e4ftigt, so viele Dinge zerren an mir, dass ich Gottes Einladung \u00fcberh\u00f6re.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant ist, dass die Geschichte mit Entschuldigung der geladenen G\u00e4ste nicht endet. Die Feier ist nicht abgesagt. Wie in den vergangenen Monaten so viele Feiern abgesagt werden mussten, die von langer Hand liebevoll geplant worden sind. Der Gastgeber des gro\u00dfen Abendmahls hat einen Plan-B. Nachdem es ihm nicht gelang, bei den zuerst Geladenen den Geschmack f\u00fcr den Himmel zu wecken, gibt er nicht auf. Er schickt seine Boten noch einmal los. An anderen Orten sollen sie die Einladung noch einmal publik machen. \u2013 Tats\u00e4chlich f\u00fcllen sich diesmal die Tische des himmlischen Gastmahls. Bis auf den letzten Platz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was ist anders bei diesem zweiten Versuch? Warum findet die Einladung jetzt Geh\u00f6r? \u2013 \u00dcber diese Frage ist in der Kirchengeschichte viel diskutiert worden. F\u00fcr Lukas manifestiert sich darin der \u00dcbergang des Heils zu den Heiden. Die Pharis\u00e4er haben Jesus abgelehnt. Von Menschen, die von au\u00dferhalb Israels kommen, wird seine Botschaft auf-genommen. Im Mittelalter wurde dieses Gleichnis zum Ausgangspunkt genommen f\u00fcr ein problematisches Verst\u00e4ndnis von Mission: Weil die Botschafter dazu aufgefordert werden, andere zu n\u00f6tigen, ins Haus des Herrn zu kommen, meinte man, man solle Menschen notfalls mit dem Schwert zum Glauben bringen. Dagegen scheint mir ein anderer Aspekt wichtig: Im Unterscheid zur ersten Einladung treffen die Boten ihre Adressaten in einer g\u00e4nzlich anderen Verfassung an. Beim ersten Mal treffen sie auf Menschen, die mitten drin stecken im gesch\u00e4ftigen Treiben. Sie kaufen \u00c4cker und Ochsen, gr\u00fcnden Familien. Ihr Leben l\u00e4uft auf Hochtouren in vorgezeichneten Bahnen. Heute w\u00fcrde man sagen: Sie stecken in der Rush Hour des Lebens. Beim zweiten Mal treffen die Boten auf Leute, die das Leben aus der Bahn geworfen hat. Blinde und Lahme. Kranke und Arme. Hinkend und stolpernd, zerlumpt und gezeichnet machen sich auf den Weg zur reich gedeckten Tafel. Weil sie ohnehin nicht wissen, wie es weitergeht, erreicht sie die Einladung genau im richtigen Moment.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWer kommt in den Himmel?\u201c \u2013 Liebe Gemeinde, anders, als es zun\u00e4chst den Anschein hat, ist die Krise, die wir im Moment durchleben, vielleicht doch dazu geeignet ist, uns diese Frage neu bewusst zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich es erlebt, dass ein ganzes Land stillsteht. Niemand konnte sagen, wann und wie es weitergeht. \u201eWir fahren im Moment auf Sicht,\u201c war eine Redewendung, die ich immer wieder h\u00f6rte. Zahllose Trag\u00f6dien bringt diese Krise mit sich. Daran ist nichts zu besch\u00f6nigen. Aber vielleicht birgt sie auch eine Chance. Die Chance zu fragen, was wirklich wichtig ist. Was tr\u00e4gt und was z\u00e4hlt, wenn es drauf ankommt. Mit dieser Frage verbindet die Bibel den Blick zum Himmel. Gott l\u00e4dt uns dazu ein, unser Alltagsgesch\u00e4ft immer wieder zu unterbrechen. Innezuhalten. Den Blick frei zu bekommen f\u00fcr seinen Himmel und seine Ewigkeit. Diese Botschaft hat Jesus in die Welt gebracht. Wann w\u00e4re ein besserer Zeitpunkt sie zu h\u00f6ren als heute?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eKommt her zu mir, alle, die ihr m\u00fchselig und beladen seid; ich will euch erquicken,\u201c sagt Jesus. Selten gab es mehr Menschen, die so darauf angewiesen sind. Dass jemand kommt und ihnen die Last von den Schultern nimmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWer kommt in den Himmel?\u201c \u2013 Im Mund Jesu ist diese Frage keine Drohung, sondern eine Einladung an alle: \u201eNehmt dieses Versprechen an. Tragt es in die Welt hinein. Was immer auch geschieht. Ihr seid Gesch\u00f6pfe Gottes. Er sorgt f\u00fcr euch. Am Ende werdet ihr G\u00e4ste sein bei seinem gro\u00dfen Festmahl. Der Tisch daf\u00fcr ist heute schon gedeckt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWer kommt in den Himmel?\u201c \u2013 Lange war das f\u00fcr Menschen die wichtigste Frage im Leben. \u201eIch bin ein Gast auf Erden und hab hier keinen Stand; der Himmel soll mir werden, das ist mein Vaterland,\u201c dichtete Paul Gerhardt. 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